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 Abschließende Rezension

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Rici
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BeitragThema: Abschließende Rezension   Fr Jun 28, 2013 3:23 am

Hier könnt ihr eure abschließende Rezension einstellen und natürlich auch wo immer ihr gerne wollt. Wink
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Tanzmaus

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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Fr Jun 28, 2013 8:42 am

Glücklich feiert Isabel zusammen mit ihrer besten Freundin deren Hochzeit. Aber als der Brautstrauß geworfen wird, wird Isabel, die ihn eigentlich schon fast gefangen hätte, von ihrem Freund Henning zur Seite gestoßen. Als wäre dies nicht schon genug, macht er einen Atemzug später auch noch mit ihr Schluss! Isabel ist verletzt und verunsichert. Denn sie hat nicht nur ihren Freund, sondern auch ihren Job verloren, da Henning ihr Vorgesetzter war.

Aber ihre Freunde lassen sie nicht hängen und so versucht Isabel, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Von ihrer Mutter bekommt sie leider nur Häme zu spüren, aber das kennt Isabel nicht anders. War ihre Mutter doch schon immer eine Super-Lehrerin, aber zu ihrem eigenen Kind kalt und abweisend. Ob es daran liegt, dass sie Isabel erst mit 50 Jahren bekommen hat? Oder gibt es einen anderen Grund dafür?

Als ihre Mutter dann stirbt, erfährt Isabel, dass sie ein Grundstück geerbt hat. Eine bekannte schwedische Glasmalerin hat sie in ihrem Testament bedacht. Aber wer war diese Person wieso kennt sie Isabel und vermacht ihr das Haus samt Grundstück?
Isabel macht sich auf die Suche nach der Lösung und findet dabei nicht nur ihre eigene Familiengeschichte …



Die Geschichte beginnt zunächst verwirrend. Der Leser startet im Jahr 1906 mit einem kurzen Einblick in das Leben von Agnes Meding. Danach der Wechsel ins Jahr 1978, bei der man kurz Linnea Svensson kennenlernt. Im dritten Kapitel lernt der Leser dann endlich Isabel kennen. Diese drei Protagonisten sind für den Verlauf der Geschichte sehr wichtig. Auch wenn sich die weitere Geschichte dann letztlich auf Isabel (im Jahr 2012) und auf Agnes (im Jahr 1926) konzentrieren wird, weckt dieses Wirrwarr zu Beginn das Interesse. Wie hängt die Geschichte der drei Frauen zusammen? Wer waren bzw. sind sie?

Die Autorin hat sehr gründlich zur Thematik recherchiert. Dabei sich aber nicht nur auf die Gegebenheiten der jeweiligen Zeiten und Orte konzentriert, sondern auch das Menschliche näher betrachtet. Dem Nachwort ist zu entnehmen, dass die Autorin durchaus auch eigene Erfahrungen im Buch verarbeitet hat. Das wird gerade bei der Sterbeszene von Isabels Mutter Constanze deutlich. Aber auch die Verwirrtheit von Isabel nach dem Tod ihrer Mutter ist für jeden, der schon selbst einen derartigen Verlust erlebt hat, nachvollziehbar.

Auch wenn die Geschichte zu Beginn sehr verwirrend beginnt, die Zeitsprünge, die unterschiedlichen Personen und Orte das ihre dazu tun, lohnt es sich dennoch, durchzuhalten. Spätestens ab Constanzes Tod verlaufen nur noch zwei Zeitebenen nebeneinander, die sich irgendwann miteinander verknüpfen.

Die Protagonisten werden recht schnell durch die verschiedenen Zeitebenen eingeführt und man lernt die Hauptprotagonisten erst nach und nach richtig kennen. Bleiben die Figuren zunächst blass und unscheinbar, werden sie im Laufe des Buches immer farblicher und sympathischer.

Es entwickelt sich eine komplizierte Familiengeschichte, die nicht nur spannend, sondern vor allem auch lehrreich für nachfolgende Generationen ist.

Tiefgründig und einfühlsam weiß die Autorin dem Leser die verschiedenen Lebensgeschichten nahezubringen und regt ihn nicht nur zum Miträtseln, sondern auch zum Nachdenken an.

Über 43 Kapitel hinweg, darf der Leser Agnes und Isabel begleiten, sie und ihre Geschichte kennenlernen. Ein Epilog, der ca. fünf Monate später spielt, rundet das Buch ab.

Zurück bleibt ein Leser, der am Anfang verzweifelt, am Ende verzaubert ein wunderbares Buch zuklappt und die Geschichte noch weiterträumen wird.
Die Geschichte ist in sich selbst abgeschlossen. Dank der auktorialen Erzählweise, wird der Leser in die Situation des allwissenden Beobachters versetzt. Er hat damit einen tieferen Einblick in die Geschichte und Gefühle der Protagonisten.

Am Ende findet man ein Nachwort der Autorin zur Geschichte und Entstehung des Buches.

Fazit:

Eine tiefgründige Geschichte, die zunächst verwirrt, dann verzaubert und noch lange im Leser nachklingen wird.
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ejtnaj

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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   So Jun 30, 2013 10:25 pm

Nachdem sich für Isabel überraschend ihr Freund von ihr getrennt hat, steht für sie fest nie die große Liebe zu finden. Erst recht glaubt sie das da ihre Mutter ihr erzählt die Liebe würde es in ihrer Familie nie geben.
Isabel hatte eine lieblose Kindheit und Jugend, da ihre Mutter ein durch und durch gefühllose Frau ist.
Aber nach dem Tod ihrer Mutter, erfährt Isabel dass im Jahr ihrer Geburt eine für sie fremde Frau aus Schweden sie zu ihrer Erbin bestimmt hat.
Isabel steht nun vor einem Rätsel und weiß nicht was sie davon halten soll, denn da gibt es auch noch Julian. Aber die Nachforschungen sind für sie auch interessant und sie will herausfinden was es mit diesem Erbe auf sich hat.

Die Autorin Katryn Berlinger hat hier einen historischen Roman geschrieben der vollkommen anders ist als die historischen Romane die ich schon von ihr gelesen habe.
Die Autorin nimmt mit auf eine Reise von der heutigen Zeit bis in die Vergangenheit.
Isabel ist die Hauptprotagonistin, die in der Realität lebt und durch ihr Erbe in die Vergangenheit abtaucht und so ihre Familiengeschichte entdeckt.
Zu Beginn des Buches ist man als Leser noch leicht verwirrt durch die zwei bzw. drei unterschiedlichen Zeitschienen der Geschichte und man muss sich wirklich auf das einlassen was man liest um die ganze Geschichte begreifen zu können.
Mir hat das Zusammenspiel von früher und heute sehr gut gefallen und die Geschichte war so fesselnd das ich zeitweise wirklich Probleme hatte das Buch mit seiner ganz besonderen Geschichte aus der Hand zu legen.
Alle Personen waren wirklich so beschrieben so das man sich diese wirklich sehr gut vorstellen konnte. Auch wie die unterschiedlichen Charaktere sich im Laufe der Geschichte verändert haben wie z.B. Isabel war wirklich gut gelöst.
Ebenso waren die Landschaftsbeschreibungen so genau beschrieben das man fast meinen konnte man wäre als Leser gerade dabei.
Es war wirklich ein schönes Buch und man konnte die Probleme einer jeden zeit sehr gut nachvollziehen und wieso die jeweilige Person so gehandelt hat wie sie es tat.
Alles in allem habe ich das buch sehr gerne gelesen und werde es bestimmt auch einmal weiter verschenken.
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Katryn



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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Mo Jul 01, 2013 12:02 am

Liebe Rici,
liebe Tanzmaus, liebe ejtnaj,
liebe Leserunde,

so, jetzt bin ich wieder im Lande. Der Koffer steht noch unausgepackt im Flur, aber bevor der Alltag wieder Muskelkraft fordert, will ich Euch lieber antworten.

Wie ich sehe, wart Ihr fleißig und habt den Roman zu Ende gelesen.

Ganz herzlichen Dank für Eure wunderbaren Rezensionen! Es war eine tolle Überraschung, als ich sie gerade eben als erstes entdeckte. Das habt Ihr sehr schön geschrieben!

Ich freue mich sehr, dass Ihr Euch im Kreis meiner Figuren wohlgefühlt habt. Ja, der Roman war wirklich ein kleines Wagnis für mich. Sowohl im persönlichen als auch im schriftstellerischen Sinne. Wie schön, dass es sich gelohnt hat, fast zwei Jahre an diesem Thema, mit diesen Figuren zu arbeiten. Leicht sollte die Geschichte zu lesen sein, so dass jede Leserin/jeder Leser noch Muße hat, seinen eigenen Empfindungen und Gedanken nachzugehen.

Eine Neuigkeit zum Schluss: "Das Geheimnis der Herzkirschen" hat schon seine dritte Auflage erreicht! So schnell ging`s noch nie.

Ich bin gespannt auf Eure weiteren Meldungen - so Ihr anderen denn noch dabei seid.

Herzliche Grüße

Katryn

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Rici
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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Do Jul 04, 2013 12:47 am

Kurz und knapp sende ich heute meine Rezension zum Buch. Sie wird selbstverständlich auch den Weg zu Amazon & Co finden.

Völlig überraschend trennt sich Isabels Freund Henning von ihr und Isabel steht somit nicht nur vor den Scherben ihrer Beziehung, sondern auch beruflich sieht es alles andere als rosig aus, da Henning ihr Chef war.
Die Stimme ihrer Mutter wird lauter, dass es in ihrer Familie keine wahre Liebe gibt und Isabel beginnt immer mehr diesen Worten zu glauben.
Abwechslung bringt Isabel jedoch ein Urlaub mit ihrer besten Freundin Simone, der jedoch dramatisch endet, da Isabel zurück muss, um sich von ihrer Mutter für immer zu verabschieden. Und plötzlich ist Isabel Erbin eines schwedischen Häuschens und muss sich nicht nur mit ihrer, sondern auch mit der Vergangenheit ihrer ganzen Familie auseinander setzen.

Dieses Buch lässt mich etwas zwiespältig zurück. Das hat zum einen den Grund, dass es ein sehr intensives Buch ist, welches jedwede Ablenkung beim Lesen übel nimmt. Zum anderen ist es die Geschichte, die von einer großen Liebe erzählt.

Die Kapitel schildern die Entwicklung mehrerer Frauen in unterschiedlichen Zeiten. Ab und an hatte ich das Gefühl mich in einem Slalom zu befinden und musste mich arg zusammenreißen den Faden nicht zu verlieren. Lobenswert hierbei ist aber zu erwähnen, dass man beim Kapitelwechsel sofort wieder in die jeweilige Szenerie hineinmanövriert wird.

Katryn Berlinger kreiert somit eine wendungsreiche und spannende Geschichte, die nicht nur Sympathie für ihre Figuren, sondern auch für ihren Schreibstil weckt. Sie vereint Rache, Liebe, Schuld und Intrigen zu einem dramatischen Spannungsbogen.

Detailreich und historisch angehaucht ist "Das Geheimnis der Herzkirschen" eine empfehlungswerte Lektüre für anspruchsvolle Leser, die sich mit einem versöhnenden Ende belohnen möchten.


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Katryn



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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Do Jul 04, 2013 1:42 am

Liebe Rici,

dank Dir für die große Mühe! Die Rezension hättest Du wirklich nicht schreiben müssen, schließlich hat Dich dieser nervige Nerv zu oft gequält.

Dass Du Dir trotzdem noch diese Arbeit gemacht hast, ist sehr nett. Vielen Dank!

Naja, und was das Nicht-Ablenken anbelangt ... also, wenn ich spannende Bücher lese, kralle ich mich auch am Buch fest, und niemand darf mich dann dabei ablenken. Das geht wohl uns allen so, denke ich. Ein Buch, das uns für den Moment Donner und Blitz, rumorende Handys und nasse Füße vergessen lässt, wurde nicht vergebens geschrieben: Es entführt uns konsequent in eine andere Welt.

Seit heute Morgen bin ich selbst in einer solchen Phase. Folge: Gegen Mittag vergaß ich alles um mich herum. Die aufgesetzten Spaghetti verkochten puddingweich im bereits reduzierten Salzwasser, der Rosmarin brannte in der Pfanne an, der Knoblauch gleichauf bittere Weise mit, und der Fisch war mitleiderregend trocken.

Pech für mich, selbst schuld. Multitasking kann auch mal schiefgehen. Zumindest wenn man kocht und Bücher mit im Spiel sind. Es sei denn, man weiß sie anderweitig zu nutzen und packt sie praktischerweise auf klappernde Kochdeckel.

So, und nun ruh Dich schön aus und überlass Dich salbender und liebevoller Pflege.

Alles Gute für Dich und weiterhin gute Besserung!

Herzliche Grüße, auch an die ganze Leserunde,

Katryn
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ernestine-marie



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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Fr Jul 05, 2013 11:19 pm

Liebe Katryn und liebe Leserunde,

jetzt schaffe ich es endlich auch, hier meine Meinung kundzugeben. Ich muss sagen, ich bin schon eine Weile mit dem Buch durch, aber da ich es ab dem 3. Kapitel in einem Rutsch gelesen habe, konnte ich hinterher nicht mehr recht auseinander halten, was in welchem Abschnitt vorkam, so dass ich keine Einzelpostings mehr eingestellt habe und jetzt hier einfach meinen Gesamteindruck schreibe. Allerdings muss ich sagen, dass ich lange überlegt habe, was ich schreiben soll, da mich das Buch sehr zwiespältig zurückgelassen hat.

Ich finde die Sprache sehr schön, sehr plastisch und bildreich und man wird von ihr regelrecht eingehüllt. Auch habe ich ja in den Einzelpostings ja immer wieder „Lieblingsformulierungen“ hervorgehoben, die ich einfach besonders nett oder gelungen fand.

Was die Handlung angeht, war ich stellenweise ein bisschen enttäuscht. Ich finde die Idee sehr gut, die verschiedenen Schicksale miteinander zu verweben, und jede der einzelnen Geschichten war für sich genommen interessant. Aber genau hier ist meiner Meinung nach der Haken. Dadurch, dass so viele Geschichten erzählt werden, bleiben sie für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche. Ist ja auch klar und geht nicht anders, denn das Buch hat nicht tausend sondern nur etwa vierhundert Seiten. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass jede der Geschichten für sich genommen schon einen eigenen Roman wert wäre. Die Geschichte von Agnes und Paul, die ganz große Liebe mit Hindernissen. Das Verhältnis von Linnea zu den beiden. Die Geschichte, dass Agnes Vater ein Priester ist. Die Geschichte von Irene als junge Frau in den Zwanzigern, die aus überkommenen Rollenmustern ausbrechen will (eine der interessantesten Charaktere meiner Meinung nach), Constanze, die sich immer vorgekommen sein muss, als sei sie für ihre Mutter ein Hindernis, Constanze, die damit umgehen muss, eine sehr späte Mutter zu sein und dann auch noch erfährt, dass ihr Mann sie mit einer Schülerin betrügt, Isabel, die mit einer so alten Mutter leben muss, Isabel, die damit umgehen muss, dass ihr Vater eine Affäre mit einer Mitschülerin hat… und so weiter und so weiter. All das bietet so viel Stoff, aber es wird im Grunde nur angerissen, und ich hätte mir mehr als einmal gewünscht, tiefere Einblicke in das Seelenleben dieser Figuren zu erhalten. Besonders über Constanze hätte ich gern noch mehr erfahren, in der Hoffnung, ihre Verbitterung besser zu verstehen.

Da war einfach so viel drin, und letzten Endes war ich fast ein bisschen traurig, dass vieles so nebulös blieb. Also muss ich wohl einfach meine eigene Imagination spielen lassen und die Leerstellen für mich im Geiste ausfüllen. :-)

Außerdem waren mir beim Zusammführen der einzelnen Fäden zu viele Zufälle im Spiel (Irene ist zufällig Agnes Tochter, Agnes trifft Paul zufällig wieder, Irene hat zufällig Absichten auf Richard Grevenstein bzw. Höchst, der Priester, den Agnes in der Kirche trifft, ist zufällig ihr Vater… um nur einige zu nennen…) – natürlich gibt es Zufälle im Leben, aber in dem Maße, wie die Zufälle hier als Mittel benutzt wurden, um die Handlung voranzutreiben, war es für meinen Geschmack doch zu gehäuft. Ich persönlich finde es jedoch interessanter, wenn Dinge geschehen als Folge von Entscheidungen. Aber natürlich ist das Geschmacksache...

Katryn, darf ich fragen, warum du dieses Stilmittel gewählt hast? Soll es die unentrinnbare Verflechtung der Protagonisten verdeutlichen? Oder war es - man möge mir den Gag verzeihen - einfach Zufall, dass es so gekommen ist?

Insgesamt hat es mich sehr gefreut, hier an der Leserunde teilnehmen zu können. Vielen Dank an Rici fürs Organisieren und an Katryn, dass du dir die Zeit genommen hast, hier mit uns zu diskutieren. Mir hat es Spaß gemacht.

Viele Grüße
Ernestine-Marie
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Urgelmurgel

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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Sa Jul 06, 2013 12:50 am

Liebe Katryn und liebe Mitleserinnen,

ich habe das Buch in einem Rutsch am Startwochenende durchgelesen. Es ist meine Krankheit, wenn mich eine Handlung fesselt, dann kann ich nicht einfach abschalten – wer außer der Werbeindustrie käme auf die Idee, einen Film immer wieder abzubrechen? Zwischendurch habe ich mir immer wieder Notizen und kleine Randbemerkungen gemacht, um mich an meine Eindrücke zu erinnern. Gab es doch hier ständig neue Informationen, die alte Eindrücke überschrieben habe und neue Perspektiven eröffneten.
Das möchte ich auch vorweg stellen: die Spannungsdramaturgie. Mich hat das Buch gefesselt, nicht mehr losgelassen. Ich wollte unbedingt wissen, wie die Erzählstränge zusammenhängen, in welchem Verhältnis die Figuren zu einander stehen. Denn das war von Anfang an (nicht nur durch den Klappentext) gewiss, sie gehören irgendwie zusammen. Ich habe mitgerätselt, versucht Hinweise zu finden und Spuren der Figuren in dem Erleben der jeweils anderen zu finden. Und die gab es. Ich spüre diesen Aha-Moment noch ganz deutlich: In der Beschreibung von Irene, des garcon-haften Auftretens, die kurzen Haaren, die verführende Ausstrahlung – und ich dachte, da steckt so viel von Constanze in ihr, um mir dann aber bewusst zu werden, nein, es steckt ganz viel von Irene in Constanze. Allein durch die Beschreibung. Das fand ich für die Leser wunderbar gestrickt. (Wenn Isabel auch so schön stricken kann, dann mache ich mir keine Sorgen, um ihre Geschäftsidee…) Die Spannungsdramaturgie fand ich großartig angelegt. Diese Momente fand ich großartig, weil ich wirklich einen Erkenntnismoment hatte.
Schwierig fand ich allerdings mitunter zu unterscheiden, was denn nun „dramaturgisch“ wichtige Details sind, die mich in meinem Rätseln voranbringen, oder aber „einfach nur“ atmosphärisch relevant. Zum Beispiel das Geschenk von Paul an Agnes. Im Nachhinein ein ziemlich eindeutiges Tschechow-Gewehr, dessen Bedeutungspotential ich über die Fülle der Eindrücke bald wieder vergessen hatte. So dass ich leider nur ein „Ach so“, denn ein „Aha“ rausbrachte.
Und das wäre auch in der Tat ein Kritikpunkt, den ich hier anzuführen habe. Es ist eine Hülle und Fülle an Informationen und Geschichten, die Katryn uns hier geboten hat. Kein Bett zum Ausruhen und Träumen, ein riesiges Kissenlager mit den verschiedensten Bezügen, Formen, Farben und Designs. Eine Flut an Eindrücken. Ich habe kein Problem damit komplexe Stränge und Verflechtungen nachzuvollziehen, das stört mich auch nicht. Aber ich fand die Figuren und ihre Geschichten oft zu kurz gekommen. Zum Beispiel Constanze. Ich habe zu wenig über ihre Beziehung zu ihrer Mutter Irene erfahren. Oder Irene selbst, wie erging es ihr als Pflegekind? Das blieb manchmal etwas spärlich. Für mich hätte es die Nebenfiguren wie Mo oder Simone nicht in dieser Ausführlichkeit gebraucht. Gerade Mo mit ihrer eigenen unheimlich komplexen Geschichte: Sie hat als Schülerin eine Affäre mit einem viel älteren Mann und wird dann lesbisch – wow, da steckt doch ganz viel Persönlichkeitsentwicklung dahinter, aber mich hat es beim Lesen nur irritiert. Ich habe bzgl. Mo ja auch nachgefragt, aber ich finde nach wie vor, dass es sie nicht braucht, um Isabel zu verstehen. Oder Shackey. Ein interessanter Charakter, der aber dann doch „nur“ die Sangomas einführt. Manchmal blieben die Geschichten der einzelnen Figuren für mich im Erklären stecken, und ich habe mitunter ihre Entwicklungen, Motivationen und Wandlungen in der Handlung vermisst. Auch der Moment, in dem Isabel Irene als ihre Großmutter erkennt, da hätte ich mir mehr als ein „Hm“ gewünscht. Natürlich weiß man, wie seine Großmutter heißt, aber den Erkenntnismoment dieses Verbindungsmoments, in dem Isabel, in ihre Familiengeschichte eingebunden wird, hätte ich gerne „miterlebt“. Linnea ist auch so ein Fall, sie bleibt allein in Schweden als Glasmalerin zurück und ist so ein gute Freundin, darüber hätte ich gerne noch mehr erfahren. Vielleicht gibt’s ja dann ein Buch „Die Glasmalerin“ (oder gibt’s das schon?). Manchmal haben die Nebenstränge den Hauptsträngen etwas den Entfaltungsraum abspenstig gemacht, den ich mir für die Hauptstränge noch mehr gewünscht hätte.
Dabei finde ich es aber gut, dass das Buch auch nicht zu lang geraten ist. Man kann ja Familiengeschichten auch auf über 800 Seiten erzählen… Und die spielen dann nur an einem Ort. (Obwohl „Buddenbrooks“ ja eines meiner Lieblingsbücher ist)
Überhaupt fand ich die Ortswechsel spannend, wenn ich auch nicht wusste, ob eine Symbolik oder eine tiefere Bedeutung dahintersteckt, muss aber natürlich auch nicht. Es ist natürlich ein feiner Schachzug bzw. ein schönes Strickmuster, dass alle Orte auf ihre Art und Weise von Isabel besucht werden und so dann auch ihren Beitrag zur Familienzusammenführung liefern. Das funktioniert dann nicht nur auf Metaebene, sondern auch auf Ortsebene.
Und durch diese Rundreise geleitet die Sprache von Katryn Berlinger, die ja nun wirklich eine Umarmung für das Sprachzentrum ist. Es wird eine sprachlich dichte Atmosphäre gewoben, die einen wirklich fesselt, einmummelt, kuschelt und herzt. Manchmal war mir die Umarmung vielleicht ein bisschen zu eng, wenn zu detailreich, dann wurden die Eindrücke überbordend, eine kleine Reizüberflutung, aber das ist definitiv Geschmackssache. Und wer kann schon der Sprache zu viel HERZlichkeit vorwerfen? Zumal es um HERZkirschen geht, das sind ja definitiv nicht irgendwelche Kirschen.

Liebe Katryn, hab vielen Dank, für Dein Interesse an unseren Meinungen und Deine Engelsgeduld beim Beantworten aller Fragen. Und natürlich für die spannenden Lesestunden.
Liebe Rici, Dir auch einen riiiesigen Dank für Deine tolle Organisation und Dein Engagement!

Liebe Grüße,
Resa
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Katryn



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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   So Jul 07, 2013 9:17 pm

Liebe Ernestine-Marie, liebe Leserunde,

ich freue mich sehr, dass die psychologische Tiefenzeichnung der einzelnen Figuren Dir offensichtlich Appetit auf "mehr" gemacht hat.

Genau diese Arbeit - nämlich in nuce, auf knappstem Raum - Charaktere mit psychologischer Tiefe lebensnah handeln zu lassen, war das schwierigste am ganzen Unterfangen. So sehen wir Frauen in unterschiedlichen Epochen, deren Widrigkeiten sie geprägt haben: Jede Frau fällt ihre Entscheidungen aufgrund der Umstände ihres Lebens und aufgrund ihrer bereits gemachten Erfahrungen - ob positiv oder negativ. So wie im wahren Leben.

Um einen solchen vielschichtigen Roman, der auf verschiedenen Zeitebenen spielt, zu konzipieren, kommt man ohne das Gestaltungsmittel Zufall natürlich nicht aus. Die Figuren selbst fällen ihre Entscheidungen aus der jeweiligen Situationen heraus (wie wir es an allen weiblichen Protagonistinnen sehen können). Die Aktion im gesamten Roman hingegen wird u. a. auch durch das Unvorhersehbare, das Unplanbare, das "Schicksalhafte" vorangetrieben. Der Zufall ist in der Literatur ein wichtiges konstitutionelles Element der erzählerischen Gestaltung. Nur so können wir die Spannung halten und Entwicklungsstränge über mehrere Ebenen miteinander verweben.

Wie Du siehst, empfinden viele Leser genau dieses schicksalshafte Verweben als organisch - so, wie ich es auch gemeint habe. Als Autor muss man dafür harte Arbeit leisten und so sinnfällig wie möglich die Lebensfäden der Figuren zusammenzuknüpfen. Das ist die sogenannte Plot-Arbeit.

Über das Gestaltungselement "Zufall" könnte man natürlich auch auf anderer Ebene philosophieren. Was ist Zufall im Leben? Was Schicksal?

Dabei könnte ich jetzt von zwei Freundinnen berichten, die ich am letzten Wochenende in größerer Runde getroffen habe. Der "Zufall", der im Laufe ihrer Unterhaltung offenkundig wurde, war so ungewöhnlich, dass wir alle noch lange darüber gesprochen haben. Aber ich denke, jede von Euch kennt genug Beispiele aus dem eigenen Leben.

Dieser Roman jedenfalls ist generationsübergreifend konzipiert worden, inklusive historischer Einbettung der Figuren und charakteristischer Zeichnung der jeweiligen Epoche. Tausend Seiten hätte man schreiben können. Natürlich. Aber auf gute 456 Seiten kam es mir darauf an, so konzentriert wie möglich, so lebendig und sinnlich zu erzählen. Deshalb der Verweis auf die Stimmen der Figuren ... Sie sollen uns nah sein - und ich freue mich, dass sich sehr viele Leserinnen in ihrem Kreis wohlfühlen.

Vielen Dank für Deine engagierten Beiträge! Ich freue mich, dass Dir die Sprache gefallen hat. Das wiederum ist wieder ein anderes - schweißtreibendes - Thema ...

Herzliche Grüße und Euch allen noch einen wunderschönen Sommer!

Katryn




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Katryn



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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   So Jul 07, 2013 10:01 pm

Liebe Resa,

WOW. Jetzt hast Du mich sprachlos gemacht. Platt. Luft weg.

Puuhh.

Dieser Beitrag ist ja ein reines Feuerwerk.

DuLiebeGüte - Du schreibst so leidenschaftlich und mitgerissen, dass ich mich frage, warum fange ich nicht gleich jetzt mit der Fortsetzung an??

Du hast Dir die Figuren geschnappt und mir nochmal energisch vor den Bildschirm gesetzt. Da stehen sie nun, schauen mich an und kneifen listig ein Auge zusammen.
Na ... Frau B., was ist jetzt? Wäre es zuviel verlangt, wenn wir gerne weiterleben könnten?

Mehr fällt mir grad nicht ein. Sorry.

Was soll denn auch ein von Dir so umarmtes Autorenmenschlein noch sagen?

Daher, kurz und knapp, ergriffen und froh, nur zwei kleine Worte: VIELEN vielen DANK!

Dank Dir auch für Dein Engagement die ganze Leserunde hindurch und Deine vorherigen interessanten Kommentare.

Ich habe mich gefreut, dass Du (wie auch die anderen in dieser Runde) so fleißig und genau gelesen und mit Begeisterung Deine Eindrücke wiedergegeben hast.

Jeder Autor freut sich, von seinen LeserInnen auch gutgemeinte Kritik zu bekommen - und ich werde sicher Eure Anregungen mit auf den nächsten (Schreib)Weg nehmen! Auch wenn ich nie einen Tausend-Seiten-Roman schreiben möchte ... ;-)

Danke also noch einmal für diese wunderbare Rezension!

"Und durch diese Rundreise gleitet die Sprache von Katryn Berlinger, die ja nun wirklich eine Umarmung für das Sprachzentrum ist."

Ach, Resa ... das hast Du wirklich sehr schön formuliert. Wenn Worte umarmen können, dann so.

So bleibt mir jetzt nur noch, Dir einen wunderschönen, erholsamen Sommer zu wünschen!

Herzliche Grüße
Katryn
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Rici
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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Di Jul 09, 2013 10:38 pm

Resa, deine Rezension ist großartig!! Hut ab! Du hast das Buch wunderbar zusammengefasst.
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schlumeline

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BeitragThema: Re: Abschließende Rezension   Mo Jul 29, 2013 12:26 am

So und hier kommt nun mit einiger Verspätung auch noch meine Rezension zum Buch:

Isabel möchte Liebe geben und Liebe empfangen und hofft schon bald, wie fast alle ihre Freundinnen vor ihr, den Mann fürs Leben zu finden und mit ihm gemeinsam eine Familie zu gründen. Doch es soll anders kommen, denn ihr langjähriger Freund Henning trennt sich von ihr. Isabel ist entsetzt und enttäuscht. Zu allem Überfluss verliert sie auch noch ihren Job.
Viel Unterstützung hat Isabel nicht. Ihre Mutter ist eine kaltherzige Frau, die ihrer Tochter immer und immer wieder deutlich vor Augen führt, dass weder ihr noch einer anderen Frau der Familie das große Liebesglück vergönnt sein wird. Von ihrer Freundin Simone wird Isabel überredet zur Abwechslung einen gemeinsamen Urlaub in den Bergen zu verbringen. Isabel stimmt zu, obwohl ihr die Berge Angst einflössen und sie ihren Urlaub eigentlich anders verbringen möchte. Der einzige Lichtblick in diesem Urlaub ist die Begegnung mit einem Mountainbiker, den sie jedoch recht schnell wieder aus den Augen verliert.

Wieder zu Hause verstirbt innerhalb kürzester Zeit Isabels Mutter Constanze und die junge Frau erfährt, dass sie in Schweden ein Grundstück mit Haus von einer ihr unbekannten Frau geerbt hat. Isabels Neugier ist geweckt. Was hat es mit diesem Erbe auf sich? Birgt das Haus ein Geheimnis? Was hat ihre Mutter ihr verschwiegen?

Die Geschichte rund um Isabel ist innerhalb dieses Buches eine Geschichte von mehreren, die in unterschiedlichen Zeitsträngen spielen und in denen allesamt eine Frau die Rolle der Protagonistin innehat. Da ist Agnes, die im Jahr 1904 in einer Kolonie in Deutsch-Südwestafrika lebt und mit ihrem Geliebten auf einem Schiff fliehen möchte und da ist Linnea, die 1978 in Schweden lebt und erfährt, dass ein Mädchen geboren wurde, was sie sehr glücklich macht aber auch dazu antreibt endlich alles in Ordnung zu bringen. Der Leser fragt sich an dieser Stelle erst einmal was das wohl zu bedeuten hat. Zunächst ist ohnehin ganz und gar nicht klar, wie die einzelnen Geschichten zusammenhängen, aber so nach und nach kann man sich als Leser einige Zusammenhänge denken.

„Das Geheimnis der Herzkirschen“ ist mehr als nur ein Geheimnis. Es ist eine sehr emotionsgeladene und in großen Teilen auch melancholische Erzählung. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die Unsicherheiten überwinden und ihren Weg im Leben finden muss.
Kathryn Berlinger ist es gelungen mich als Leserin tief in meinem Innersten zu berühren. Sie schafft es zu verdeutlichen, wie stark ein Mensch durch seine Kindheit und Erlebnisse geprägt wird und wie schwierig es ist, manche Gewohnheiten hinter sich zu lassen. Auch das Thema Freundschaft wird hier thematisiert. Eine Freundschaft muss viel aushalten können. Sie lebt vom Meinungsaustausch und von Gesprächen und vor allen Dingen davon die Andersartigkeit des Anderen zu akzeptieren. Wenngleich hier einige Charaktere so ganz anders sind, als ich es mag, so überzeugen sie doch auf ganzer Linie.

Wer in dieses Buch eintaucht und sich ganz darauf einlässt wird mit allen Sinnen verführt.

Ihr findet sie außerdem noch hier im Netz:

http://buchrezicenter.filmbesprechungen.de/genres/belletristik/das-geheimnis-der-herzkirschen/
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